„Himmelsstimmen“ im Einklang mit Sjaella | 23.09.2018

Kirchenmusikalische Festwoche im Hohen Dom: Große Resonanz beim Publikum

Paderborn, 23. September 2018. „Himmelstimmen“ – einen schöneren Namen hätte das Konzert des Vokalensembles Sjaella im Hohen Dom zu Paderborn nicht finden können. Das Publikum durfte sich am A Capella-Gesang in Form eines ausgewogenen Ensembleklangs, mit kristallklarer Intonation und Ausdruck erfreuen.

„Wir bitten Sie noch um einem Moment Geduld. Da noch so viele Gäste am Eingang stehen, beginnen wir ein paar Minuten später“ – der Hinweis von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle an die Zuhörer am Sonntagnachmittag im Hohen Dom verhieß eigentlich nur Gutes. Das Konzert mit dem Vokalensemble aus Leipzig fand die erhoffte Resonanz und damit auch bei der zweiten Veranstaltung der Kirchenmusikalischen Woche ein „ausverkauftes Haus“.

Homogen und individuell, leicht und kernig, präzise und frei – mit diesem Facettenreichtum kündigte sich Sjaella an. Das Sextett der jungen Frauen hielt, was es versprach, und glänzte mit einem facettenreichen Repertoire und bester Sangeskunst. Beim Konzert standen unter anderem Werke von Hugo Distler, Knut Nystedt, Simon Wawer, Paul Heller und Ola Gjeilo auf dem Programm. Ein kurzweiliger Auftritt, den das Publikum gern mit einer ausweitenden Verlängerung beendet hätte. Doch die Zeit war wegen der Sonntagsliturgie im Hohen Dom begrenzt.

Bis zur kleinen Pause standen geistliche Lieder im Vordergrund. Beginnend mit dem mittelalterlichen Hymnus „O Christe, flos convállim“ und endet mit „Die Sternseherin“, einer Komposition von Knut Nystedt und Text von Matthias Claudius.

Weltlichere Musik aus verschiedenen Epochen schloss sich an. Volksliedern gehört die neue Liebe von Sjaella – ob irisch, norwegisch oder zum Finale finnisch.

„Himmelsstimmen“ war der gut ausgewählte Titel des Konzertnachmittags, das Leipziger Sextett überzeugte mit einem fast orchestralen Stimmwerk. Domkapellmeister Thomas Berning: „Das Wochenende war ein wunderbarer Auftakt unsere Kirchenmusikalischen Festwoche und bot die richtige Einstimmung.“ Ein Glücksgriff bei der Verpflichtung von Sjaella befand zurecht Domkantorin Gabriele Sichler-Karle, die im Hintergrund an der Inszenierung zwischen Stimmenklang und Lichtspiel mitgewirkt hatte, um den Dom auch in seiner Stärke als Klanghaus zu präsentieren.

Sjaelle – das Wort stammt aus der nordischen Sprache und heißt übersetzt: Seele – wurde schnell zum Markenzeichen. „Wir sind ein ganz demokratisches Ensemble“, berichten die Leipzigerinnen, die sich aus dem Kompromiss von 1000 Ideen und Vorschlägen für Musik organisieren.“ Sjaella das sind: Viola Blache (Sopran), Franziska Eberhardt (Sopran), Marie Fenske (Sopran), Marie-Charlotte Seidel (Mezzosopran), Helene Erben (Alt) und Luisa Klose (Alt).

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Bereits vor dem Konzert hatte Helene Erben, Sängerin des Vokalensemble Sjaella, dem Erzbistum Paderborn ein Interview gegeben:

pdp: Was macht einen guten und homogenen Ensembleklang aus?
Helene Erben: Für einen homogenen und ausgewogenen Klang gibt es kein Spezialrezept. Ein langjähriger Erfahrungsschatz im gemeinsamen Singen - Ensemble oder Chor - vor allem in gleicher Besetzung, kann dem jedoch sehr zuträglich sein. Denn um sich auf persönlicher und stimmlich-/musikalischer Ebene kennenzulernen, braucht man Zeit.

pdp: Chorsängerinnen und Chorsänger oder Solistinnen und Solisten - wer bringt bessere Voraussetzungen für ein Ensemble mit?
Helene Erben: Beim Ensemblesingen braucht man Erfahrungen aus beiden Richtungen. In einem Vokalensemble geht es um das GEMEINSAME Musizieren und Singen. Der Gesamtklang ist also entscheidend. Um diesen homogenen Gesamtklang aber interessant und facettenreich zu gestalten, braucht jedes einzelne Mitglied eine stabile und selbstbewusste stimmliche Individualität, die sich sowohl anpassen als auch, wenn gewollt, hervortreten kann.

pdp: Gibt es eine ideale Stärke für eine Ensembleformation?
Helene Erben: Ich denke, dass so viele oder auch so wenige Leute in einem Ensemble singen können, inwieweit sie sich als Ensemble fühlen. Wenn die Chemie untereinander stimmt und man ein tolles Programm gemeinsam auf die Beine stellen kann, können zwei oder drei Leute auf der Bühne genauso faszinieren wie sechs oder sieben. In einem Ensemble ist es meiner Meinung nach mit am wichtigsten, dass sich jede oder jederr gleich gebraucht fühlt und eine tragende Rolle spielt.

pdp: Welchen Einfluss nimmt ein Raum auf den Ensemblegesang? Bietet ein Kirchengebäude eine besondere Herausforderung?
Helene Erben: Da Kirchenräume unterschiedlicher nicht sein können, sind sie Herausforderung und Chance zugleich. Oft lässt sich mit Kirchenakustiken sehr viel experimentieren, zudem geben sie dem sakralen Klang den nötigen magischen Nachhall. Sobald man aber das Genre wechselt, ist man schon glücklicher über eine "trockenere" Akustik.

Vier Sängeinnen Die \"Himmelsstimmen\" aus Leipzig zeigten ihr Können an verschiedenen Klangplätzen. © pdp / Ronald Pfaff

Das Vokalensemble Sjaella aus Leipzig begeisterte am Sonntagabend mit \\\"Himmelsstimmen\\\" das Publikum im Hohen Dom zu Paderborn. © pdp / Ronald Pfaff

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