Abtransport eines musikalischen „Schwergewichts“ | 09.01.2018

Generalspieltisch der Orgel im Hohen Dom wird erneuert

Paderborn, 9. Januar 2018. Wann sieht man schon einmal einen vier Zentner schweren Orgelspieltisch durch den Hohen Dom zu Paderborn schweben? „Das ist wohl ein sehr besonderer Moment, der nicht oft vorkommt“, sagte Dompropst Monsignore Joachim Göbel, kurz bevor der Generalspieltisch der Orgel im Paderborner Dom abgebaut und mit einem Kran aus dem Hochchor gehoben wurde. Der Grund: Der Generalspieltisch wird modernisiert, weil er von der Anordnung der Bedienelemente und von seiner Programmierungskapazität nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht, erklärten Dompropst Göbel und Domorganist Tobias Aehlig beim Abbau des Tisches.

Der Generalspieltisch ist das Herzstück der aus drei Orgeln bestehenden Orgelanlage im Hohen Dom zu Paderborn. An ihm laufen alle technischen Leitungen für die elektrische Traktur und die Registratur zusammen. Von ihm aus ist jede der drei Orgeln im Hohen Dom – die Chor-, die Turm- und die Krypta-Orgel – zu steuern. Der jetzige Generalspieltisch stammt aus dem Jahr 1981 und ist seitdem unverändert.

Er wird durch ein separates Setzertableau ergänzt, mit dem sich voreingestellte Registerkombinationen für unterschiedliche Stücke speichern und schnell abrufen lassen. Das Problem dabei: Dieses Tableau befindet sich auf der rechten Seite des Organisten. Diese Positionierung und die kleinen, sehr unübersichtlichen Schalter machen es für den Organisten sehr schwer, spontan und vor allem mit beiden Händen mit dem Instrument zu agieren.

„Gerade für das liturgische Orgelspiel und auch für Improvisationen ist das aber unabdingbar“, sagte Domorganist Tobias Aehlig. „Der derzeitige Setzer verfügt über 4.000 Speicherplätze. Das mag zunächst gar nicht so gering klingen, aber es gibt Stücke, für die bis zu 100 Speicherplätze für die Registrierung notwendig sind. Das stößt man dann schnell an eine Grenze.“ Auch weitere Spielhilfen, die heute bei großen Orgelanlagen Standard sind, zum Beispiel Pedalteilungen oder selbsteinstellbare Mixturenklänge, fehlen am alten Spieltisch.

Durch den Umbau werden alle Bedienelemente so angeordnet, dass der Organist sie optimal mit beiden Händen erreichen kann. Auch der Rest des Spieltisches wird auf den aktuellen technischen Stand „aufgerüstet“. Ebenso wie für den Generalspieltisch wird auch bei der Turmorgel die gesamte computergesteuerte Setzertechnik modernisiert und ausgetauscht. Künftig wird das Speichern auch per USB-Stick möglich sein.

Der Umbau wird von der Orgelbaufirma Johannes Falke aus Bad Driburg durchgeführt, in Kooperation mit der Firma Laukhuff, die auf den Spieltischbau und Orgelteile spezialisiert ist. „Johannes Falke und seine Firma betreuen unsere Orgel im Hohen Dom schon seit vielen Jahren. Wir wissen die Planungen dieses Projekts bei ihm daher in guten Händen“, so Dompropst Msgr. Joachim Göbel.

Die gesamte Maßnahme wird voraussichtlich von Januar bis Mai 2018 dauern. Ab Mitte März wird nur noch die Turmorgel und die Chororgel spielbar sein, ab Mitte April werden die Gläubigen im Hohen Dom ganz ohne Orgelbegleitung singen müssen. Ab Ende Mai wird die Gesamtinstallation dann in die Testphase gehen. „Zur Feier des Domjubiläums und zum Liborifest muss wieder alles laufen“, erläutert Dompropst Msgr. Joachim Göbel mit einem Schmunzeln.

Hintergrund: Die Orgelanlage im Hohen Dom zu Paderborn
Die dreiteilige Orgelanlage des Hohen Doms zu Paderborn ist eine der größten in ganz Europa. Die drei Orgeln im Turm, im Chor und in der Krypta des Hohen Doms zu Paderborn sorgen mit zusammen 151 Registern für ein einzigartiges Klang-Raum-Erlebnis. Die Orgel ist 1979/81 von der Firma Siegfried Sauer (Höxter-Ottbergen) erbaut und 2004/05 erweitert worden. Sowohl der Umfang als auch die Anordnung der einzelnen Orgeln berücksichtigt optimal die spezifische Akustik des großen Kirchenraumes der Paderborner Bischofskirche. Die Turm-Orgel mit eigenem Spieltisch bildet mit ihren 83 Registern das größte Werk im Ensemble. Die Chor-Orgel hat 53 Register. Das Pfeifenwerk befindet sich in zwei Kammern oberhalb und neben der alten Sängerempore, mit Schallöffnungen zum Chor und zum nördlichen Seitenschiff. Die Krypta-Orgel ist mit 15 Registern das kleinste Werk. Das Instrument ist unsichtbar in zwei Kammern links und rechts des südlichen Treppenaufganges untergebracht.

Kran hebt schweren Gegenstand in Kirche Der knapp vier Zentner schwere Orgelspieltisch wurde mit einem Kran aus dem Hochchor des Hohen Domes gehoben. © pdp/Maria Aßhauer

Gruppenbild Nahmen Abschied vom bisherigen Orgelspieltisch (v.l.): Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Domorganist Tobias Aehlig und Orgelbauer Johannes Falke. © pdp/Maria Aßhauer

Arbeiter Maßarbeit: Mit großer Vorsicht wurde der Orgelspieltisch vom Chor des Hohen Domes durch den Durchgang vor dem Aufgang zur Sakristei manövriert. © pdp/Maria Aßhauer

Kran mit schwerem Gegenstand in Kirche Die schwierigste Etappe im Hohen Dom ist geschafft: Der Orgelspieltisch hat nach seiner Kranfahrt wieder fast sicheren Boden unter den Füßen. © pdp/Maria Aßhauer

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