Das Team hinterm Dom-Altar | 21.11.2018

Die Küster des Paderborner Domes haben einen vielfältigen Arbeitstag

Paderborn, 21. November 2018. „Küster müsste man sein, das ist doch ein wahnsinnig entspannter Beruf“ – mit Vorurteilen wie diesen werden die drei hauptamtlichen Küster des Paderborner Domes oft bedacht. Dass Robert Schäfers, Artjom Dreier und Christoph-Winfried Wentzel als Küster am Hohen Dom zu Paderborn einen außerordentlich abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Dienst tun, wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich – denn ohne sie wären die Türen des Domes verschlossen, wäre der Altarraum nicht mit Blumen geschmückt und vermutlich die wenigsten Priester faltenfrei eingekleidet.

Um zehn vor sechs Uhr in der Früh beginnt der Arbeitstag für den diensthabenden Domküster, denn ab 6.00 Uhr ist der Paderborner Dom für Besucher und Gottesdienstteilnehmer geöffnet – und bis dahin muss die Beleuchtung eingeschaltet sein, die Kerzen am Altar müssen brennen und alle Gerätschaften für die Früh-Messe um 6:30 Uhr vorbereitet sein. „Als Erster morgens im Dom zu sein, ist etwas ganz Besonderes. Die Ruhe, die dann in der Luft liegt, umgibt dich und lässt dich selbst ganz schnell zur Ruhe kommen“, beschreibt Robert Schäfers, der bereits seit achtzehn Jahren seinen Dienst im Dom tut. Seit dem 1. Oktober dieses Jahres neu im Team ist Christoph-Winfried Wentzel, gebürtiger Oldenburger und zuvor im Erzbistum Köln als Küster tätig gewesen. „Obwohl ich gerade einmal zwei Monate in Paderborn bin, habe ich die Stadt bereits jetzt ins Herz geschlossen und fühle mich sehr wohl. Paderborn ist mir zwar nicht gänzlich neu, bei meinen vorigen Besuchen habe ich durchaus den Dom besichtigt, doch nie damit gerechnet hier einmal als Küster tätig zu werden“, berichtet Wentzel. Denn der Küster-Beruf, auch Sakristan genannt, ist kein klassischer Ausbildungsberuf. In einem je einwöchigen Grund- und Aufbaukurs erlernen alle, die Küster werden möchten, die entsprechenden Inhalte. „Ich bin beispielsweise gelernter Tischler und Bauzeichner und habe zusätzlich acht Semester Theologie studiert“, erzählt Wentzel weiter. Seine beiden Kollegen haben vor ihrem Wechsel an den Dom Ausbildungen zum Verwaltungsfachangestellten und in der Lagerlogistik absolviert.

Während schließlich der erste Gottesdienst des Tages im Dom gefeiert wird, gehen in der Sakristei die Vorbereitungen für die folgenden Gottesdienste weiter. In der Woche finden täglich mindestens drei Messfeiern statt, am Samstag und Sonntag sind es meistens sechs. „Der am besten besuchte Gottesdienst ist übrigens der Gottesdienst am Sonntagmittag um 11:45 Uhr“, so Christoph-Winfried Wentzel. „Er passt wohl am ehesten in den Tagesablauf der Paderborner – bis dahin sind die meisten ausgeschlafen“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Für jeden einzelnen der Zelebranten wird im Vorfeld die entsprechende Messkleidung bereitgelegt. Dabei geht es nicht nur darum, die in der Länge passenden Gewänder herauszusuchen, sondern auch in den korrekten liturgischen Farben. Die Farbe der Kleidung wird durch den jeweiligen Heiligen bestimmt, dessen Gedenken gefeiert wird. Wird die Messe vom Tag gelesen, tragen die Zelebranten grün, handelt es sich um die Messe des Tages-Heiligen, ist die Messkleidung weiß, war der Heilige ein Märtyrer, ist die Farbe Rot. Hinzu kommen weitere Farben, die sich nach den Festen im Jahreskreis richten, wie zum Beispiel Violett in der Advents- und Fastenzeit. „Die Zelebranten teilen uns im Vorfeld mit, welches Gedenken sie zu feiern vorsehen, so dass wir alles frühzeitig vorbereiten können. Denn zwischen den einzelnen Gottesdiensten ist oft nicht viel Zeit und parallel kleiden sich die Zelebranten aus, die gerade Messe gefeiert haben und wir helfen den Zelebranten, die den nächsten Gottesdienst feiern, ihre Kleidung anzulegen“, beschreibt Artjom Dreier die manchmal lebhaften Vorgänge in der Sakristei. „Die vollständige Messkleidung besteht aus mehreren Ober- und Untergewändern, weshalb es nicht so leicht ist, sie sich selbst faltenfrei überzustreifen, so dass schließlich alle Lagen gerade fallen“, verdeutlicht Dreier weiter.

Die liturgische Vorbereitung ist für die drei Domküster die Hauptaufgabe – und damit das Kriterium, welches sich am meisten von der Arbeit eines Küsters unterscheidet, der für eine verhältnismäßig kleine Kirche in einer Dorf-Gemeinde zuständig ist, in der nur noch am Wochenende Gottesdienste gefeiert werden. Dies ist vor allem für Christoph-Winfried Wentzel deutlich geworden: „In Köln habe ich unter anderem in einer Großgemeinde gearbeitet, zu der vier Kirchen zählten. Dort war ich mehr der ‚Mann für alles‘. Hier am Dom können wir uns wirklich auf die liturgische Vorbereitung konzentrieren, da wir Teil eines großes Teams sind, das sich um die Pflege, Instandhaltung und Betreuung unserer Bistumskathedrale kümmert.“

Täglich fallen ebenso viele kleine Aufgaben an, die auf den ersten Blick gar nicht wahrgenommen werden, wie Blumenschmuck für den Altarraum zu organisieren, die Blumen zu gießen, Bestände an Messwein, Kerzen und Hostien zu prüfen, die Altäre zu reinigen, genauso wie die kleinen Dom-Kapellen zu versorgen, Opferstöcke zu leeren, das Geläute zu programmieren und noch vieles mehr. Auch, wenn diese kleinen Handgriffe unscheinbar wirken, sind sie doch immens wichtig, den Charakter des Paderborner Domes zu erhalten und jedem Besucher, der ihn betritt, die unvergleichliche Atmosphäre spüren zu lassen und ihn schließlich mit einem guten Gefühl und gestärkt wieder in den Tag zu entlassen.

Die drei Dom-Küster Christoph-Winfried Wentzel, Robert Schäfers und Artjom Dreier (v.l.) in der Sakristei des Paderborner Domes, in der sie einen Großteil ihrer Aufgaben erledigen. © pdp/Lena Reiher

Aufgaben der Dom-Küster Die passende Lesung des Tages aus dem Messlektionar heraussuchen, die liturgischen Gewänder für die Zelebranten bereitlegen, das Altargeschirr für den Gottesdienst vorbereiten – nur einige Aufgaben, die in den täglichen Aufgabenbereich von Artjom Dreier, Christoph-Winfried Wentzel und Robert Schäfers (v.l.) fallen. © pdp/Lena Reiher

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