Pontifikalamt zum Herbstliborifest | 28.10.2018

„Als Erwachsene das Auge der Kinder bewahren“

Paderborn, 28. Oktober 2018. Vor 391 Jahren – am 31. Oktober 1627 – sind die Reliquien des heiligen Liborius nach Paderborn zurückgeführt worden. Fünf Jahre zuvor hatte sie Christian von Braunschweig in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges bei der Plünderung des Paderborner Domes geraubt. Seit dieser Zeit wird der Rückführung der Gebeine des Bistumspatrons mit einem traditionellen Pontifikalamt zum Herbstliborifest gedacht, das Erzbischof Hans-Josef Becker am heutigen Sonntag im Hohen Dom zu Paderborn feierte. In seiner Predigt betonte er: „Der heilige Liborius war ein Mensch, der sich für die Armen und Bedürftigen seiner Zeit einsetzte und darin Christus nachahmte.“

Auch Heilige, egal ob Liborius oder Martin, seien Menschen gewesen, denen nichts Menschliches fremd gewesen sei. Einfluss, Macht, Besitz, Gold und Geld seien ihnen durchaus bekannt gewesen. „Aber sie sprangen über den eigenen Schatten ihrer Selbstsucht und Ichbezogenheit. Sie waren Menschen, die sich das Auge und Herz des Kindes bewahrten“, führte Erzbischof Becker aus. „Kinder sind offen für das Geheimnis und zugleich voller Mitgefühl und Mitleid für andere. Ihnen gehört das Himmelreich, weil sie vertrauen und glauben und damit den richtigen Blick nach oben haben.“ Dies sei eine Eigenschaft, die den Menschen viel zu oft abhandenkommen würde. „Sie müssen erst wieder neu das kindliche Staunen über die Schönheit und Güte Gottes erlernen. Das war damals so, und das ist so zu allen Zeiten.“

Es sei wichtig, „dass wir auch als Erwachsene das Auge und die Sehkraft der Kinder behalten. Denn Kinder sehen das, was Gott wichtig ist. Ihre Sichtweise ist der Blick nach oben, die ursprüngliche Offenheit, das Vertrauen, die Absichtslosigkeit“, so Erzbischof Becker weiter. Nicht ohne Grund hätte Jesus zu den Erwachsenen gesagt, sie sollten werden wie die Kinder. „Er tut dies auch in dieser Stunde und heilt uns von unserer ei-genen Blindheit und Verbohrtheit. Er fordert von uns nicht mehr und nicht weniger als die ursprüngliche Offenheit und das Vertrauen von Kindern. Eine Änderung unserer Blick-richtung also. So wie es der heilige Liborius getan hat.“

Zum Pontifikalamt wurden die Reliquien des heiligen Liborius, die das Jahr über in einer Ebenholztruhe im Altar der Krypta ruhen, erhoben und im vergoldeten Silberschrein aus der Krypta in den Hochchor des Paderborner Doms getragen. Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte den Festgottesdienst, es konzelebrierten Weihbischof Matthias König und Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB.

Der feierliche Gottesdienst zum Herbstliborifest wurde musikalisch gestaltet vom Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning und Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel. Zur feierlichen Erhebung der Reliquien des Patrons des Erzbistums Paderborn, des Hohen Domes und der Stadt Paderborn sang der Chor der Dommusik.

Am Nachmittag wurden die Reliquien im Rahmen einer eucharistischen Andacht der Liboribruderschaft wieder in feierlicher Prozession in die Krypta überführt, wobei wie schon bei der Erhebung der Reliquien der Libori-Tusch zu hören war.

Libori-Schrein Der Goldene Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius im Hochchor des Hohen Domes zu Paderborn. © pdp/Lena Reiher

Herbstlibori Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte das Pontifikalamt zum Herbstlibori-Fest mit den Weihbischöfen Dr. Dominicus Meier OSB und Matthias König. © pdp/Lena Reiher

Erzbischof Hans-Josef Becker Erwachsene sollen die Sichtweise eines Kinds nicht verlieren, predigte Erzbischof Hans-Josef Becker. © pdp/Lena Reiher

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