Spieltisch der fast unbegrenzten Möglichkeiten | 14.09.2018

Kirchenmusikalische Festwoche im Hohen Dom mit zwei außergewöhnlichen Orgel-Konzerten

Paderborn, 14. September 2018. „Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Als Einzelner kann ich eine Vielzahl von Klangfarben produzieren, die - je nach Orgeltyp - fast keine Grenzen hat. Mich fasziniert die Orgel immer wieder. Sie ist auch eine Herausforderung der Möglichkeiten, die nie ein Ende finden“ – Domorganist Tobias Aehlig liebt sein Instrument. Seit einigen Wochen ist die Domorgel um eine Attraktion reicher geworden.

Der vollständig erneuerte Generalspieltisch im Hochchor ist zurück und damit hat das Trio aus Chor-, Turm- und Krypta-Orgel ihr Herzstück zurückbekommen. Optisch wurde es aufgefrischt und in seinen Maßen modernisiert. Das technische Innenleben ist auf den neuesten Stand gebracht, genauso, wie es sich Tobias Aehlig und Orgelbauer Johannes Falke  vorgestellt haben.

Am Generalspieltisch laufen alle technischen Leitungen für die elektrische Traktur und die Registratur zusammen. Von ihm aus ist jede der drei Orgeln im Hohen Dom zu steuern. Die Planung für dieses Projekt habe etwa zwei Jahre gedauert, berichtet Tobias Aehlig, doch der Umbau des alten Modells, das aus dem Jahr 1981 stammt, sei nicht nur nötig, sondern zukunftsweisend gewesen. „Auch die Nachfrage bei Gast-Organisten, hier im Hohen Dom spielen zu dürfen, war schon immer groß, aber das Interesse wird mit diesem Umbau nochmal wachsen“, ist sich Aehlig sicher.

Dass die Turmorgel jetzt mit Windräder-Technik ausgestattet sei, ließe die Organisten aufhorchen. „Moderne Orgelmusik und Improvisationen lassen sich somit ausgezeichnet regeln und ermöglichen neue Klangbilder und Töne. Solche Orgeln findet man eher selten.“

Der neue Orgelspieltisch wurde durch ein separates Setzertableau ergänzt, mit dem sich voreingestellte Registerkombinationen für unterschiedliche Stücke speichern und schnell abrufen lassen. Durch den Umbau ist auch die Bedienbarkeit verbessert worden. Der Organist kann alles gut erreichen, ob Wangen, Wippen, Steuerungstasten oder auch das Touch-Pad. „Der Spieltisch wird zukunftsfähig für die nächsten 20 bis 30 Jahre sein. Er ist gut gelungen“, resümiert Tobias Aehlig die Eindrücke der ersten Wochen.

Die neue Hightech-Einrichtung erweitert die Variabilität in der Bespielbarkeit und Zuordnung der vier Manuale und des Pedals. Die Registrierung und Archivierung lässt sich besser verwalten. „Jetzt ist alles mischbar, das Orgelspiel wird flexibler“, so Aehlig. Das intelligente System gibt sogar Hilfestellung, und lässt im Display, dort wo ansonsten die Titelinformationen für den Organisten einlaufen, auch ein blaues „Finger weg“ aufleuchten.

Es bedarf für die Organisten im Dom ein wenig Zeit, um sich mit Belegung und Bedienung vollends vertraut zu machen. „Wenn man sich einmal eingearbeitet hat, zeigen sich schnell die vielen neuen Vorteile. Ich selbst bin auch noch in der Entdeckerphase der neuen Möglichkeiten – aber das ist auch sehr inspirierend“, freut sich der Domorganist.

Während der kirchenmusikalischen Festwoche anlässlich des Domjubiläums wird der neue Orgelspieltisch gleich zweimal auf den Prüfstein gestellt, bei dem er die neuen Möglichkeiten beweisen kann. Zum geistlichen Liederabend „Sehet, welche Liebe“ laden Bariton Klaus Mertens und Domorganist Tobias Aehlig am Montag, 24. September, ab 19.30 Uhr ein. „Es wird eine nette, gemütliche Atmosphäre, denn wir laden die Gäste in den Hochchor ein“, so Aehlig. Auf dem Programm stehen geistliche Lieder u.a. mit Liederzyklen für Bariton und Orgel von Joseph Gabriel Rheinberger und Antonin Dvorak.

Orgelimprovisationen zu bekannten sowie versteckten Kunstwerken des Domes mit Projektionen auf eine Leinwand stehen am Mittwoch, 26. September, um 19.30 Uhr auf dem Programm. Der Paderborner Dommusik ist es gelungen, mit Wolfgang Seifen (Berlin) und Peter Planyavsky (Wien) zwei Meister ihres Faches zu verpflichten. „Es sind zwei Musiker mit unterschiedlichen Spielarten, aber sie kennen sich sehr gut und treten oft zusammen auf“, ist Aehlig selbst gespannt, wie weit die beiden den neuen Orgelspieltisch ausreizen. Und der Domorganist macht neugierig: Zum Abschluss werden beide zusammen dann vier-händig spielen.

Auf dem Video erklärt Tobias Aehlig den neuen Orgelspieltisch

 

Vorverkauf

Wer alle Konzerte auf besten Plätzen erleben will, für den empfiehlt sich die ABO-Karte „beste Plätze in allen Konzerten“ zum Flatrate Preis von 50 Euro. Dieses Abo oder auch nur Einzeltickets gibt es im Ticket-Center Paderborn, Marienplatz 2 a, Tel: 05251 / 299 750.

22. September, 19.30 Uhr: Eröffnungskonzert - Klingender Dom mit Paderborner Chören im illuminierten Dom
22. September, ab 15.30 Uhr: Workshop mit dem Ensemble Sjaella
23. September, 10 Uhr: Kapitelsamt im Hohen Dom mit dem Chor des Domes der Paderborner Partnerstadt Pamplona, Capella de Musica Pamplona.
23. September, 15.30 Uhr: "Himmelsstimmen" mit dem Ensemble Sjaella aus Leipzig
24. September, 19.30 Uhr: Geistlicher Liederabend "Sehet, welche Liebe" mit Klaus Mertens (Bariton) und Domorganist Tobias Aehlig.
25. September, 19.30 Uhr: Szenische Lesung im Dom u.a. mit Ensemblemitgliedern des Theaters Paderborn: Unterwegs mit Schillers "Jungfrau von Orleans"
26. September, 19.30 Uhr: Orgelkonzert "Ansichten eines Domes" mit Improvisationen zu bekannten und verborgenen Domschätzen mit Projektion auf Leinwand.
28. September, 19.30 Uhr: Festkonzert zum Domjubiläum - Johann Adolph Hasse: Missa in d, Marc Antoine Charpentier: Te Deum      

Mann vor Orgel Domorganist Tobias Aehlig freut sich über die neuen Möglichkeiten am Orgelspieltisch im Hohen Dom zu Paderborn. © pdp / Ronald Pfaff

Spieltisch der Orgel Für den Organisten gibt es unzählige Möglichkeiten. © pdp / Ronald Pfaff

Touch-Pad Das Touch-Pad gehört zu Neuerungen am Orgelspieltisch. © pdp / Ronald Pfaff

Mann vor Orgel Alle Register und Wippen sind nun gut zu erreichen. © pdp / Ronald Pfaff

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