Von Klangmacht bis zu leisen Tönen 40-jähriges Weihejubiläum der Paderborner Domorgel wird am 19. Juli 2021 mit Orgelvesper gefeiert | 13.07.2021

Von Klangmacht bis zu leisen Tönen
40-jähriges Weihejubiläum der Paderborner Domorgel wird am 19. Juli 2021 mit Orgelvesper gefeiert


Paderborn (pdp). Am 19. Juli 1981 wurde mit der Orgel im Hohen Dom zu Paderborn eine der größten Orgelanlagen Deutschlands geweiht. Zum 40-jährigen Jubiläum wird am Jahrestag der Weihe, Montag, 19. Juli 2021, um 19.30 Uhr im Paderborner Dom eine Vesper ganz im Zeichen der Orgelmusik gefeiert. Dompropst Monsignore Joachim Göbel steht dem Gottesdienst vor. Domorganist Tobias Aehlig wird an der einzigartigen Domorgel mit ihren insgesamt 151 Registern Werke von Charles-Marie Widor, Anton Bruckner oder auch Johann Sebastian Bach zum Klingen bringen. Ende Juli wird zudem ein Kurzfilm über die Domorgel erscheinen. Bis Ende des Jahres schließt sich im Dom anlässlich des Jubiläums eine Reihe von Orgelkonzerten an.


Die jetzige dreiteilige Orgelanlage im Paderborner Dom, von 1979 bis 1981 gebaut von der Orgelbaufirma Siegfried Sauer aus Höxter-Ottbergen, wurde am 19. Juli 1981 durch den damaligen Weihbischof und Dompropst Hans-Leo Drewes geweiht. In ihrer jetzigen Form besteht sie aus der imposanten Turmorgel im Westchor, der Chororgel im östlichen Hochchor und der nicht sichtbaren, aber trotzdem für das Gesamt-Klang-Ensemble wichtigen Kryptaorgel. 2004 wurde die Orgelanlage gereinigt und um einige Register erweitert, 2018 um einen modernen, technisch verbesserten Generalspieltisch ergänzt.


Einzigartiges Klang-Raum-Erleben
Das Weihejubiläum der Paderborner Domorgel sei „gerade in diesen Zeiten ein großer Grund zur Freude“, sagt Dompropst Msgr. Joachim Göbel: „Auch für mich ist es jedes Mal ein berührendes Empfinden für Körper und Seele, wenn die drei Orgeln zu einem Klangkörper verschmelzen.“ Diese Klangwirkung wäre jedoch undenkbar ohne einen vierten Klangkörper: den Raum der Paderborner Bischofskirche selbst. Umfang und Anordnung der einzelnen Orgelwerke berücksichtigen die spezifische Akustik des großen Kirchenraumes optimal und schaffen so ein Klang-Raum-Erlebnis, bei dem die Zuhörenden vollständig vom Orgelklang umgeben sind. „Wir können stolz sein, in unserer Domkirche ein solches kirchenmusikalisches Juwel zu haben“, ist der Dompropst überzeugt.
Orgel überrascht immer wieder
Die Orgelanlage im Hohen Dom biete eine „schier unendliche Klangvielfalt“, bescheinigt auch Tobias Aehlig seinem „Arbeits-Instrument“, das ihn auch acht Jahre nach seinem Amtsantritt als Domorganist immer wieder beeindruckt. Die Anlage habe eine riesige dynamische Bandbreite „von körperlich spürbarer Klangmacht bis zu leise säuselnden Tönen“. Jede der drei Orgeln habe ihren ganz eigenen Charakter, ihre Stärken und Schwächen.


Die Turmorgel etwa sei unglaublich vielseitig stilistisch einsetzbar, erklärt Aehlig: „Das Instrument ist so wandelbar, dass ich selber immer wieder aufs Neue überrascht bin.“ Das Spielen an der Domorgel werde nie langweilig, versichert der Domorganist und schwärmt: „Obwohl ich die Orgel mittlerweile gut kenne, entdecke ich immer noch Neues und kann Stunden mit der Suche nach der ‚perfekten Klangmischung‘ zubringen.“


Raumfüllende Gesamtanlage
Die heutige Orgelanlage steht in einer langen Tradition: Urkundlich wurde 1348 erstmals eine Orgel für den Paderborner Dom erwähnt. Im Lauf der Jahrhunderte wurde diese Orgel versetzt, erweitert, durch weitere Orgeln ergänzt und umgebaut. 1923 entschloss das Domkapitel sich zum Abbruch der alten Barockorgel. Um den Erfordernissen der Domliturgie und der Länge des Mittelschiffs von 104 Metern gerecht zu werden, wurde eine dreiteilige Anlage bestehend aus Turm-, Chor- und Kryptaorgel gebaut – die Grundlage für die heutige Anlage. So wurde mit mehreren autarken Instrumenten an unterschiedlichen Standorten eine raumfüllende Gesamtanlage geschaffen. Die Anlage wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. In ihrem jetzigen Erscheinungsbild besteht die Domorgel seit dem Jahr 1979/1981.


Orgelanlage des Hohen Domes zu Paderborn
• Turmorgel: mechanische Schleiflade, eigener Spieltisch, mit 83 Registern größtes Werk im Ensemble
• Chororgel: elektropneumatische Kegellade (aus der Nachkriegszeit beibehalten), 53 Register, 2004 um ein Hochdruckwerk erweitert
• Kryptaorgel: 15 Register, unsichtbar in zwei Kammern links und rechts des südlichen Treppenaufgangs untergebracht
• Neuer Generalspieltisch im Chorraum seit 2018 hat die Möglichkeiten der Orgelanlage nochmals gesteigert.


Konzerte im Jubiläumsjahr
Ursprünglich sollte es zum 40-jährigen Domweihejubiläum in der Paderborner Bischofskirche ein Orgelfestival geben, das aufgrund der Pandemie auf 2022 verschoben werden musste. Dennoch können sich Orgel-Fans bei verschiedenen Konzerten im Hohen Dom im Laufe dieses Jahres noch von der klanglichen Einzigartigkeit der Paderborner Domorgelanlage berühren lassen:


Donnerstag, 29. Juli 2021, 19.30 Uhr
Orgelvesper zu Libori mit Domkantor Patrick Cellnik (Bassbariton) und Domorganist Tobias Aehlig (Orgel)


Freitag, 27. August 2021, 19.30 Uhr
Sebastian Küchler-Blessing (Essen)


Dienstag, 21. September 2021, 19.30 Uhr
David Briggs (New York)


Freitag, 22. Oktober 2021, 19.30 Uhr
„Orgel variatio“ mit Andres Ramirez-Gaston (Violine), Jana Telgenbüscher (Violoncello) und Domorganist Tobias Aehlig (Orgel)


Freitag, 31. Dezember 2021, 22.30 Uhr
Silvesterkonzert mit Domorganist Tobias Aehlig

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