Eine eindrucksvolle Darstellung dieses Geschehens findet sich im Hauptrelief des Epitaphs für Rüdiger von Horst, das von Heinrich Gröninger geschaffen wurde. Sein Monogramm ist links außen an der Sockelzone zu erkennen. Das Relief zeigt das Pfingstwunder in bewegter Szene: 24 Jünger versammeln sich um die beiden Marien – Maria, die Mutter Jesu, und Maria aus Magdala. Die Jünger sind in kleinen Gruppen angeordnet und als Halb- oder Dreiviertelfiguren gestaffelt dargestellt. Mit lebhaften Gesten und bewegten Gebärden reagieren sie auf die Herabkunft des Heiligen Geistes. Besonders die beiden knienden Apostel bringen Erschrecken, Staunen und innere Bewegung zum Ausdruck. Alle Figuren richten sich auf die Mitte des Geschehens aus: auf das Wunder, das sie ergreift und verwandelt.
Sie zeigen auf unterschiedliche Weise, was die Kirche an Pfingsten feiert: die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel – und damit die Geburtsstunde der Kirche.
Der Evangelist Lukas berichtet bereits bei der Verkündigung des Herrn an Maria: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1,35). Was einst in Maria begann, findet an Pfingsten seine Vollendung. Durch die schöpferische Kraft des Heiligen Geistes wurde in Maria der Sohn Gottes empfangen; nun entsteht durch denselben Geist der geheimnisvolle Leib Christi – die Kirche. Deshalb wird Maria als Urbild und Mutter der Kirche verehrt.