Der Drache gilt im Mittelalter als das ultimative Symbol für den Teufel, das Chaos und die Versuchung. In ihm vereinen sich die bedrohlichen Eigenschaften verschiedener Urgewalten. Bereits in der Antike versinnbildlichten Drachen schreckhafte Naturereignisse. Häufig sind sie als Verbindung eines Schlangenkörpers oder Seeungeheuers mit Flügeln, Krallen und einem weit aufgerissenen Rachen dargestellt. Aus ihrem Maul scheint mitunter Feuer oder Dampf hervorzubrechen. Nicht jede Darstellung eines Drachen weist jedoch all diese Merkmale auf.
Auch im Hohen Dom zu Paderborn gibt es verschiedene Stellen, an denen Drachen zu entdecken sind. Am bekanntesten ist wohl die Darstellung des Erzengels Michael mit dem Drachen.
Der Hebräerbrief bezeichnet die Engel als Geistwesen, die im Dienst Gottes stehen und die er den Menschen zur Hilfe schickt, die gerettet werden sollen (vgl. Hebr 1,14). Engel, die besondere und bedeutende Aufgaben erfüllen, werden als „Erzengel“ bezeichnet.
Der das Böse bekämpfende Erzengel Michael steht, mit Schild und Lanze bewaffnet, als Bekrönungsfigur über dem Portal der Engelkapelle. Unter seinen Füßen liegt der bezwungene Drache. Sein Schwanz windet sich bis zu den Hüften des Erzengels empor. Die Darstellung macht unmittelbar sichtbar, worum es in der Symbolik geht: Michael steht für die Macht Gottes, die das Böse besiegt.