In dieser Gruft ruhen die drei Erzbischöfe von Paderborn (Paderborn ist erst seit 1930 Erzbistum). Sie haben Spuren hinterlassen. Aber, wie Erzbischof Dr. Udo Markus Benz in seiner Rede zur Eröffnung des Mahnmals in der Brigidenkapelle betont hat, wissen wir heute, dass unter ihrer Leitung schweres Unrecht geschehen ist. Er erklärte:
„Dass Hinweise zurückgehalten oder nicht weitergegeben wurden und dass Betroffene mit ihrem Leid allein gelassen worden sind. Auch das gehört zur Geschichte unseres Erzbistums.
Diese Spannung müssen wir aushalten: Wir können sie nicht dadurch auflösen, indem wir nur auf das kirchliche Wirken schauen, das Versagen im Umgang mit sexualisierter Gewalt aber ausblenden. Beides steht nebeneinander. Und beides muss klar benannt werden. Es gibt den Ort der Bischöfe, ihrer letzten Ruhe und der Erinnerung an sie. Dieser Ort erinnert uns aber zugleich daran – wie jedes Grab –, dass alle ihr Leben, ihr Tun und ihr Unterlassen vor Gott verantworten müssen.
Aus diesem Grund ist Erinnerungsarbeit so wichtig. Sie ist unerlässlich. Sie geht über das rein historische Erinnern weit hinaus: Erinnern ist für mich eine geistliche und verantwortliche Verpflichtung. Erinnern aus einer solchen Haltung heraus bedeutet: Verantwortung zu übernehmen für die eigene Geschichte – gerade dort, wo sie belastet und auch schmerzt.“
Diese Aufarbeitung ist Anlass dafür, diese Problematik, auch an den Gräbern, zu nennen. Leben und Wirken der Erzbischöfe waren insgesamt sehr vielfältig und in vielerlei Hinsicht segensreich, doch auch der Umgang mit dem Missbrauch und den Tätern gehört zu ihren Amtszeiten und steht für ein massives Versagen der Kirche und ihrer Vertreter, das unsägliches Leid über die Opfer gebracht hat und unter dem viele Betroffene heute noch leiden.
Vorwürfe gegen frühere Erzbischöfe
Um die Veröffentlichung der Studie herum, wurden erneut Vorwürfe gegen die beiden früheren Erzbischöfe Lorenz Kardinal Jaeger und Johannes Joachim Kardinal Degenhardt laut. Jede Schilderung von Gewalt und Grenzverletzung verlangt Aufmerksamkeit, Respekt und die Bereitschaft zur sorgfältigen Aufarbeitung. Zugleich zeigt sich in den vorliegenden Fällen, dass sich einzelne Vorwürfe im Laufe der Zeit verändert haben und in Teilen nicht ausreichend nachvollzogen oder belegt werden konnten. Auch externe Prüfungen haben hier Zweifel an der Plausibilität einzelner Schilderungen aufgezeigt. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studie das Versagen der beiden früheren Erzbischöfe im Umgang mit Opfern und Tätern sexualisierter Gewalt während ihrer Amtszeiten.
Die Kirche steht daher in einer doppelten Verantwortung: das Leid anzuerkennen und ernst zu nehmen und zugleich Unklarheiten, Widersprüche und fehlende Belege transparent zu benennen.