Die Grablege der Erzbischöfe von Paderborn

In dieser Gruft ruhen die drei Erzbischöfe von Paderborn (Paderborn ist erst seit 1930 Erzbistum). Sie haben Spuren hinterlassen. Aber, wie Erzbischof Dr. Udo Markus Benz in seiner Rede zur Eröffnung des Mahnmals in der Brigidenkapelle betont hat, wissen wir heute, dass unter ihrer Leitung schweres Unrecht geschehen ist. Er erklärte:

„Dass Hinweise zurückgehalten oder nicht weitergegeben wurden und dass Betroffene mit ihrem Leid allein gelassen worden sind. Auch das gehört zur Geschichte unseres Erzbistums.

Diese Spannung müssen wir aushalten: Wir können sie nicht dadurch auflösen, indem wir nur auf das kirchliche Wirken schauen, das Versagen im Umgang mit sexualisierter Gewalt aber ausblenden. Beides steht nebeneinander. Und beides muss klar benannt werden. Es gibt den Ort der Bischöfe, ihrer letzten Ruhe und der Erinnerung an sie. Dieser Ort erinnert uns aber zugleich daran – wie jedes Grab –, dass alle ihr Leben, ihr Tun und ihr Unterlassen vor Gott verantworten müssen.

Aus diesem Grund ist Erinnerungsarbeit so wichtig. Sie ist unerlässlich. Sie geht über das rein historische Erinnern weit hinaus: Erinnern ist für mich eine geistliche und verantwortliche Verpflichtung. Erinnern aus einer solchen Haltung heraus bedeutet: Verantwortung zu übernehmen für die eigene Geschichte – gerade dort, wo sie belastet und auch schmerzt.“

Im Rahmen der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn durch Kleriker und dem unangemessenen Umgang der Verantwortlichen des Erzbistums mit Opfern und Tätern wurde das Handeln der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt intensiv wissenschaftlich untersucht. Dabei zeigen die Ergebnisse, dass Kirche und Gesellschaft bei Missbrauch systematisch weggesehen und Straftaten in mehreren Fällen billigend in Kauf genommen haben. Beschuldigte Kleriker wurden nur selten sanktioniert. Vielmehr bestimmten die soziale Position des Täters und die der Betroffenen sowie die lokalen Verhältnisse vor Ort die Bewertung von sexueller Gewalt. Die detaillierte historische Aufarbeitung „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941-2002)“ finden Sie hier.

Diese Aufarbeitung ist Anlass dafür, diese Problematik, auch an den Gräbern, zu nennen. Leben und Wirken der Erzbischöfe waren insgesamt sehr vielfältig und in vielerlei Hinsicht segensreich, doch auch der Umgang mit dem Missbrauch und den Tätern gehört zu ihren Amtszeiten und steht für ein massives Versagen der Kirche und ihrer Vertreter, das unsägliches Leid über die Opfer gebracht hat und unter dem viele Betroffene heute noch leiden.

Vorwürfe gegen frühere Erzbischöfe

Um die Veröffentlichung der Studie herum, wurden erneut Vorwürfe gegen die beiden früheren Erzbischöfe Lorenz Kardinal Jaeger und Johannes Joachim Kardinal Degenhardt laut. Jede Schilderung von Gewalt und Grenzverletzung verlangt Aufmerksamkeit, Respekt und die Bereitschaft zur sorgfältigen Aufarbeitung. Zugleich zeigt sich in den vorliegenden Fällen, dass sich einzelne Vorwürfe im Laufe der Zeit verändert haben und in Teilen nicht ausreichend nachvollzogen oder belegt werden konnten. Auch externe Prüfungen haben hier Zweifel an der Plausibilität einzelner Schilderungen aufgezeigt. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studie das Versagen der beiden früheren Erzbischöfe im Umgang mit Opfern und Tätern sexualisierter Gewalt während ihrer Amtszeiten.

Die Kirche steht daher in einer doppelten Verantwortung: das Leid anzuerkennen und ernst zu nehmen und zugleich Unklarheiten, Widersprüche und fehlende Belege transparent zu benennen.

Weitere Details und die ausführliche Darstellung der Vorwürfe sowie ihrer Prüfung finden Sie hier.

In dieser Gruft sind bestattet

1941
Erzbischof Caspar Klein

28.08.1865 geboren in Elben/Sauerland

21.03.1890 Priesterweihe im Hohen Dom zu Paderborn

19.06.1920 Ernennung zum Bischof von Paderborn

01.08.1920 Bischofsweihe

13.08.1930 Ernennung zum 1. Erzbischof von Paderborn

26.01.1941 gestorben in Paderborn

Herausragende Ereignisse seiner Amtszeit waren der Bau eines neuen Priesterseminars, die Erhebung zum Erzbistum 1930 und das Jubiläums-Liborifest 1936.

1975
Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger

23.09.1892 geboren in Halle an der Saale

01.04.1922 Priesterweihe im Hohen Dom zu Paderborn

10.08.1941 Ernennung zum 2. Erzbischof von Paderborn

19.10.1941 Bischofsweihe

22.02.1965 Berufung in das Kardinalskollegium

30.06.1973 Annahme des Rücktritts vom Amt des Erzbischofs

01.04.1975 gestorben in Paderborn

Seine 32-jährige Amtszeit war geprägt von den Folgen des II. Weltkrieges und des erforderlichen Wiederaufbaus, von der deutschen Teilung, die auch das Erzbistum Paderborn unmittelbar betraf, von der Teilnahme am II. Vatikanischen Konzil und die durch das Konzil eingeleitete Öffnung der Kirche in viele Bereiche hinein. Die Ökumene und die Jugend waren ihm besondere Anliegen.

2002
Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt

31.01.1926 geboren in Schwelm

06.08.1952 Priesterweihe im Hohen Dom zu Paderborn

18.03.1968 Ernennung zum Weihbischof in Paderborn

01.05.1968 Bischofsweihe

05.04.1974 Ernennung zum 3. Erzbischof von Paderborn

22.02.2001 Berufung in das Kardinalskollegium

25.07.2002 gestorben in Paderborn

Seine 28-jährige Amtszeit war vor allem durch die vielen Umbrüche und Veränderungen geprägt, die gesellschaftlich mit dem Jahr 1968 und kirchlich mit dem II. Vatikanischen Konzil verbunden waren. In einer Zeit großer Veränderungen suchte er das Fundament des Glaubens zu stärken und gegen Infragestellungen zu verteidigen. Höhepunkt seiner Amtszeit war der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Paderborn 1996.