Unsere Wanderfalken am Domturm

Ein halbes Jahr ist nun vergangen, seitdem das Wanderfalkenpaar sich im Domturm niedergelassen hat. Im April legte das Weibchen 3 Eier, aus welchen im Mai ein Küken schlüpfte. Die anderen beiden blieben unbefruchtet, was in diesem Jahr wohl keine Seltenheit ist. In den folgenden Wochen konnte man mit ansehen, wie das Küken täglich an Größe und Gewicht zunahm. Die Bestimmung des Geschlechts war zunächst nicht möglich. Das Beringen des Jungvogels fand in diesem Jahr nicht statt. Dabei hätte in den ersten drei Wochen nach dem Schlüpfen das Geschlecht bestimmt werden können. So musste man warten, ob das Küken nur so groß wie der Vater würde oder ihn an Größe überschreiten würde. Da die Männchen (Terzel) um ein Drittel kleiner sind als die Weibchen, konnte man davon ausgehen als das Küken größer war als der Vater, dass es sich um ein Weibchen handelt. Der Ausweis des Freundeskreises der Jakobuspilger für das Jungtier, die die Patenschaft des Falkenjungen übernommen haben, müsste deshalb strenggenommen von Jakob auf Jakoba geändert werden.

Nun ist sie flügge geworden und wird sich in der Natur mehr und mehr zurecht finden müssen. Da die Wanderfalken sehr standorttreu sind, hofft das Wanderfalkenteam darauf, dass sich in der nächsten Brutsaison das Paar wieder einfindet. Die Resonanz und das Interesse der Zuschauer zeigt, dass das Projekt ein voller Erfolg war und es weiterhin verfolgt wird. In der Zeit, in der die Bruthöhle leer ist, wird eine Säuberung vorgenommen und es werden die ersten Vorbereitungen für die neue Brutsaison getroffen.

Seien Sie gespannt auf neue Bilder und schauen Sie gelegentlich vorbei.

Wanderfalken Jungvogel Jakoba Jochen Roth Wanderfalken Jungvogel Jakoba Jochen Roth
Wanderfalken Jungvogel Jakoba Jochen Roth


Bereits im Januar und im Februar konnte man das Paar in der Nähe des Domes beobachten. Der markante Ruf sticht deutlich aus den Gesängen der anderen Vögel heraus. Der Turm des Hohen Domes dient als Refugium für mehrere Tierarten, z.B. Fledermäuse, Tauben, Turmfalken und Wanderfalken. Die installierte Kamera befindet sich in etwa 50 m Höhe in der Nähe der Schallarkaden in Richtung Westen. Die Kamera im Inneren des Turms ist an einem Holzkasten angebracht, der verhindert, dass die Vögel in das Innere des Domes gelangen. Darüber hinaus verringert die Holzkonstruktion den Luftzug und Störungen aus dem Domturm. Seit einigen Tagen hat sich das Falkenpärchen in der Höhle niedergelassen, die vorher von Tauben bebrütet wurde.

Der Wanderfalke

Der Wanderfalke (Falco peregrinus) gehört zur Familie der Falken (Falconidae). Innerhalb seiner Familie ist er einer der größten Vertreter. Es ist das schnellste Tier des Planeten im Luftraum.
Beim Wanderfalken gibt es einen deutlichen Größenunterschied bei den Geschlechtern. Das Männchen, in der Falknersprache auch Terzel genannt, ist kleiner als das Weibchen. Das Gewicht der Männchen liegt bei etwa 550 bis 700 g, das der Weibchen bei 900 bis 1100 g. Die Flügelspannweite beträgt ca. 90 bis 115 cm.

Verbreitung

In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes von der Tundra bis in den Süden nutzen Wanderfalken mittlerweile die "Kunstfelsen" der Menschen. Das können Industrieanlagen, Kirchen, Autobahnbrücken und andere hohe Gebäude sein. In Küstennähe oder in den Weiten der Tundra ist er auch Bodenbrüter.

Vogeljagd im freien Luftraum

Der Wanderfalke ist ein Greifvogel, der sich auf die Vogeljagd im freien Luftraum spezialisiert hat. Dabei verfügt er über verschiedene Methoden, um Beute zu ergreifen. Es werden hohe Ansitze wie Strommasten oder Sendemasten genutzt. Vorbei fliegende Vögel werden genau studiert, ob sich eine Verfolgung lohnt. Wird eine Beute ausgewählt, verfolgt der Wanderfalke sie dann mit hoher Geschwindigkeit und mit schnellem Flügelschlag. Er nutzt dabei verfügbare Deckung wie Straßenschluchten oder Baumreihen. Das ist der Jagdflug. Er versucht dabei stets im toten Winkel und etwas unterhalb der Flughöhe der Beute zu bleiben, um sie dann von hinten und unten zu greifen. Das Opfer bekommt es häufig nicht mit, dass es gejagt wird. Bei dieser Methode werden schon hohe Geschwindigkeiten erreicht und das Überraschungsmoment genutzt.

Sturzflugjäger

Als Sturzflugjäger ist der Wanderfalke jedoch unübertroffen. In großen Höhen segelt der Wanderfalke in gemächlichem Tempo in Aufwinden. Dabei beobachtet er den unter ihm liegenden Luftraum mit allem, was sich darin fliegend fortbewegt. Wanderfalken haben sehr scharfe Augen, dies ist bedingt durch eine hohe Dichte von Sehzellen auf der Netzhaut. Er sieht quasi wie durch ein Fernglas. Sieht er eine Gelegenheit, wie bspw. einen Starenschwarm, lässt er sich zur Seite fallen, beschleunigt mit starkem Flügelschlag seinen Sturz und legt dann seine Flügel an. Die Flugbahn wird durch kurzes Öffnen der Flügel und des Schwanzes (Stoß) präzisiert. Er nimmt dabei eine Tropfenform an. Sie bietet dem Falken den geringsten Luftwiderstand. Er stößt direkt in den Schwarm und versetzt die Vögel in Panik. Einzelvögel, die dann nicht beim Schwarm bleiben und ihr Heil in der Flucht suchen, sind häufig verloren.

Bei dieser Art des Jagens werden die höchsten Geschwindigkeiten erreicht, die ein fliegendes Lebewesen auf diesem Planeten erzielen kann. Als gesichert gelten Geschwindigkeiten von um die 250 km/h. Die Forschung ist sich jedoch nicht ganz einig, welches das höchste Tempo ist. Einige Forscher gehen von Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h aus.

Eine anatomische Besonderheit sind hier kleine Segel vor den Nasenöffnungen, damit der Falke auch bei hohem Tempo atmen kann.

Erfahrene Wanderfalken nutzen auch den Sonnenstand und versuchen dabei die Sonne im Rücken zu halten, während sie sich auf ihre Beute stürzen. Diese kann gegen die Sonne die Gefahr schlecht wahrnehmen.

Die Beute

Erbeutet werden dabei fast ausschließlich Vögel bis Entengröße (es kann auch schon einmal eine Fledermaus sein, die zu hoch fliegt, Großer Abendsegler bspw.). Das Artenspektrum an Beutevögeln ist weit gefächert. Dazu zählen Stare, Drosseln, Kiebitze, Rabenvögel, Lerchen, Möwen, Entenvögel und Tauben, um einige zu nennen.

Da es sich auch um wehrhafte Beute wie Rabenvögel handeln kann, ist der Wanderfalke stets bemüht, diese Beute so schnell wie möglich zu töten. Hat er seine Beute ergriffen, tötet er sie mit einem gezielten Biss ins Genick. Dabei hilft ihm der sogenannte Falkenzahn. Das ist eine weitere anatomische Besonderheit am Schnabel des Falken.

Diese Methode des Tötens unterscheidet sich deutlich von der, die bspw. Habichte oder Adler anwenden. Diese Greifvögel halten ihre Beute dabei mit langen Krallen bestückten Klauen fest und drücken diese immer wieder in den Leib der Beute, bis lebenswichtige Organe getroffen werden. Ihren Kopf halten sie dabei so weit hoch, dass sie nicht durch einen Schnabelhieb selbst getroffen und verletzt werden. Der Schnabel kommt i.d.R. erst zum Einsatz, wenn die Beute kaum noch Lebenszeichen von sich gibt.

Falken zählen deshalb zu den Bisstötern. Adler, Habichte, Bussarde oder auch Sperber dagegen zu den Greiftötern. Die Jagd eines Wanderfalken zu beobachten gehört wohl zu den spektakulärsten Darbietungen im Tierreich und fasziniert den Betrachter.

Das Wanderfalkenpaar

Wanderfalken leben in der Regel monogam (Ausnahmen gibt es jedoch). Sie bleiben über Jahre einem Partner treu. Die Reviere werden von den Männchen gegründet. Sie versuchen dann, ein Weibchen in ihr Territorium zu locken und es zum Bleiben zu bewegen.

Damit dies gelingt, präsentiert er sich mit halsbrecherischen Flugmanövern, um zu zeigen, dass er stark und wendig ist und ein guter Versorger sein wird. Er bringt ihr auch immer wieder Beutevögel als Werbegeschenke mit.

Er zeigt ihr auch, wo sich sein Beutedepot befindet. Wanderfalken jagen auch auf Vorrat und deponieren die Beute dann an geschützten Stellen in einer Felswand oder einer Gebäudenische für schlechte Zeiten.

Hat das Werben Erfolg, beginnt die Hauptbalz in manchen Gegenden schon ab Januar bis etwa März. Eine Eiablage erfolgt von Anfang März bis, in Ausnahmefällen, Ende April. In der Regel werden 2–5 Eier 34 Tage lang bebrütet. Während der Eiproduktion und der ersten Zeit der Jungenaufzucht ist der Terzel der Alleinversorger der ganzen Familie.

Als Familie können Wanderfalken bis Oktober gemeinsam beobachtet werden. Ab Anfang bis Mitte Oktober besiegeln Wanderfalken ihre Partnerschaft aufs Neue durch eine ausgeprägte Herbstbalz. Der alte Nistplatz wird bestätigt oder ein neuer Nistort wird ausgesucht innerhalb des bestehenden Reviers oder bei Junggesellen wird ein neues Revier begründet.

Die Jungfalken wandern aus den elterlichen Revieren ab. In Mitteleuropa ist der Wanderfalke ein Standvogel. Jungvögel streifen frei herum und leben opportunistisch. Zu den tatsächlichen Wanderern unter den Wanderfalken zählen die nordischen Populationen, die außerhalb der Brutzeit weite Wege zurücklegen.

Gefährdung der Brut

Zu den häufigsten Gefahren zählen Störungen am Brutplatz durch bspw. Werksarbeiten oder Sanierungsarbeiten bei Gebäudebrütern. Geschieht das zu häufig, kann das zur Aufgabe der gesamten Brut führen.

Eine weitere Gefahr stellt die zunehmende Verdrahtung der Landschaft durch Hochspannungsleitungen dar.

Langanhaltende Schlechtwetterphasen während Jungenaufzucht führen zu Unterkühlungen bei den Jungfalken und letztlich zum Tode.

Als natürliche Feinde hat der Wanderfalke besonders den Uhu zu fürchten. Er besiedelt die gleichen Lebensräume wie der Wanderfalke. Für den Uhu stellen juvenile sowie adulte Wanderfalken eine willkommene Nahrungsquelle dar, die, wenn verfügbar, vom Uhu gern genutzt wird.

Gelegentlich kommt es auch zum Verlust der Eier oder Jungfalken durch den Kolkraben. Andere Krähenvögel versuchen zumindest ein Ei zu bekommen.

Alleinstehende Wanderfalken sowie Individuen ohne eigenes Revier lassen sich immer wieder auf heftige Eroberungskämpfe mit Revierfalken ein. Die Kämpfe sind häufig geschlechtsbezogen. Weibchen bekämpfen Weibchen, Männchen bekämpfen Männchen. Das führt nicht selten zu schweren Verletzungen und zum Tod eines Wanderfalken. Es gibt aber auch immer wieder Störfalken, die brütende Paare bedrängen und belästigen. Geschieht das zu häufig, kann das ebenfalls zum Verlust der Brut führen.

Aktuelle Situation und Bestand

Da manche Wanderfalken sich besonders auf die Jagd auf Tauben als Beute spezialisiert haben, führt das besonders bei Brief,- und Hochflugtaubenliebhabern zu großem Frust. Aus Ärger über die Verluste und Angriffe der Falken auf die Tauben greifen einige der Taubenfreunde leider zu drastischen Mitteln, um ihr Hobby ohne Störungen durch den Wanderfalken oder auch andere Greifvögel wie Habicht oder Sperber praktizieren zu können. Verschiedentliche illegale Methoden werden dabei angewandt. Das Nachstellen und Töten von Greifvögeln stellt einen Straftatbestand dar, der, bei Nachweis der Straftat, zu erheblichen Rechtsfolgen führt.

Wenn ein Wanderfalke allen Gefahren aus dem Weg gehen kann, erreicht er eine Lebenserwartung von bis zu 15 Jahren.

Der Bestand der Wanderfalken insgesamt ist in Europa, bis auf wenige zerstreute Vorkommen und Einzeltiere, ab den 1950iger Jahren, bedingt durch den massiven Einsatz von Umweltgiften/Pestiziden wie DDT, zusammengebrochen. Die Art stand kurz vor dem Aussterben. Das DDT, das ihre Beutetiere mit der Nahrung aus der Landwirtschaft aufnahmen, reicherte sich in den Falken an. Die Folge war, dass die Eierschalen immer dünner wurden und von den Altfalken nicht bebrütet werden konnten. Nur durch den Einsatz von Naturschutzorganisationen und durch das hohe Engagement von Menschen, die letzte Horste bei Tag und Nacht, 365 Tage lang bewachten, sowie dem Verbot des benannten Umweltgiftes, ist es zu verdanken, dass sich der Wanderfalke heute im Bestand stabilisiert hat, beziehungsweise im Aufwind befindet. Er benötigt jedoch auch heute weiter Unterstützung durch Menschenhand wie das Anbringen von Nisthilfen an Gebäuden.

© Jochen Roth

© Jochen Roth